Wadi Al-Nadara – Landschaft & Wetter

Kurz nach meiner Ankunft habe ich Folgendes geschrieben – aber dabei irgendwie vergessen, es zu veröffentlichen. Also liefere ich euch jetzt einen kleinen Frühlingstext nach ;)  –

Krak des ChevaliersBevor ich nach Syrien aufgebrochen bin, habe ich mir erzählen lassen, dass die Gegend, in der die Uni steht, eine grüne Hügellandschaft und das Klima sehr gemäßigt ist. Ich wusste also, dass ich nicht in die Wüste fliege – aber dass ich frieren werde und die Landschaft mehr an die Eifel als an den Orient erinnert, das hatte ich doch nicht gedacht.

Bestimmt wird sich die Landschaft im Sommer noch verändern, aber heute, im Frühjahr, ist alles saftig grün. Es gibt keine Städte, nur Flecken von Häusern, die sich die Hauptstraße und einige Nebenstraßen entlang ziehen. Landwirtschaft und Bau sind hier die wichtigsten Wirtschaftszweige. Egal wo ich hinsehe, scheint mir der Blick atemberaubend schön und beruhigend. „Rolling hills“ sagt man im Englischen zu so einer geschwungenen Hügellandschaft, einer Gegend, in der sich Hügel um Hügel aneinanderreiht, so weit man blicken kann. Ich lebe hier also inmitten von „rolling hills“, die so gar nichts mit der Platten Börde um Magdeburg zu tun haben. Die Landschaft leuchtet in allen Grüntönen, die es gibt; hellgrüne saftige Wiesen, dunklere Töne von allen möglichen Sträuchern, Pinien, Kiefern, Orangenbäumen, Gummibäumen und Zypressen, graugrüne, mannshohe, wuchernde Kakteen, silbrig schimmernde Olivenbäume, und jetzt, im Frühling, überall leuchtende Farbflecken von rotem Klatschmohn, lila Disteln und Meeren von gelben und weißen Blüten. Und über diese Gegend wacht, fast von überall sichtbar, auf einem kleinen Bergrücken Krak des Chevaliers oder Qala’at al-Husn, wie sie die Syrer nennen, die alte, imposante Kreuzritterburg.

Wadi al-NadaraWie schon gesagt ist das Wetter sehr gemäßigt. Momentan ist der Himmel klar, die Sonne scheint hell, und wir haben etwa 15° – 20°. Im Winter hat es wohl sogar fünf Mal geschneit – der Schnee bleibt dann nicht liegen, aber im Gedächtnis der Einheimischen bleibt er offensichtlich haften. Ich habe in meinem Zimmer Gott sei Dank eine Zentralheizung und meistens warmes Wasser. Da aber die Bauweise hier recht zugig und die Heizung schwer zu regulieren ist, waren die letzten Nächte nicht sehr bequem – ich bin froh, nicht im Winter gekommen zu sein! Charakteristisch ist auch ein stetiger Wind, der von Meer durch den Wadi in eine weite Ebene bei Homs weht. Auf dieser Ebene wachsen die Bäume fast waagrecht, und das Leben dort ist bestimmt nicht angenehm. Hier bei uns weht er, dank der wunderbaren Hügel, nicht so ungebremst und im Sommer soll er sehr wohltuend sein. Auf den Sommer freue ich mich, ein bisschen Schwitzen täte mir gerade gut – auch wenn mir von allen versichert wird, dass ich genau zur richtigen Zeit gekommen bin, weil nichts so zauberhaft ist, wie al-Nadara im Frühjahr.

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